Kormoran

Hier ist alles Mögliche

Moderator: Moderatoren

Fliegender Holländer
Beiträge: 134
Registriert: 19.04.2017, 16:25
Wohnort: Heidelberg

Re: Kormoran

Beitragvon Fliegender Holländer » 04.12.2019, 10:42

Moin Diggler, moin Herr Schneider,

vielen Dank für die Blumen...;-)

Ich bin in der Tat Biologe, spezialisiert auf (Gewässer)Ökologie und Meeresbiologie, und habe dank Unibibliothek Zugrif auf fast alle Fachzeitschriften. Wenn jemand also irgendwelche (veröffentlichte) Studienergebnisse braucht, helfe ich gerne weiter.

Was den Grundeln betrifft: Auch ihr Einfluss auf das Ökosystem Neckar dürfte enorm sein, und über ihre praktisch allgegenwärtige Präsenz wissen wir alle leider nur allzu gut Bescheid. Kaulbarsche dagegen habe ich hier am Unteren Neckar schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Vielleicht wurden sie bereits von den Grundeln verdrängt. Frage in der Runde: Hat vielleicht jemand anders in letzter Zeit irgendwo am Neckar einen Kaulbarsch gefangen?

Die Grundeln werden wir leider nicht mehr los, diesen Schlamassel haben wir den Rhein-Main-Donaukanal zu verdanken, aber vielleicht pendelt sich ihr Bestand irgendwann auf ein halbwegs erträgliches Maß ein. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht vertilgenen Kormorane übrigens durchaus auch Grundeln. Einer Erhebung aus der Mannheimer Gegend zufolge ernährten sich dort geschossene Kormorane zu etwa 20 Prozent (Mageninhaltsanalyse - bezogen auf die Biomasse der gefressenen Fischen) von Grundeln. Diese waren damit die zweitwichtigsten Beutefische nach den Barschen.

Beste Grüße

Kurt

Benutzeravatar
Mitschman
Beiträge: 499
Registriert: 17.02.2015, 13:41
Wohnort: bei Esslingen (10er-Abschnitt)

Re: Kormoran

Beitragvon Mitschman » 04.12.2019, 11:52

Fliegender Holländer hat geschrieben:Frage in der Runde: Hat vielleicht jemand anders in letzter Zeit irgendwo am Neckar einen Kaulbarsch gefangen?


Der allererste Fisch, den ich jemals geangelt habe, war ein Kaulbarsch :D . Das war im Frühjahr 2015 bei Esslingen. Seither hab ich nie mehr einen zu Gesicht bekommen.

Grüße von Michael

FishingLarry
Beiträge: 186
Registriert: 02.04.2016, 20:34

Re: Kormoran

Beitragvon FishingLarry » 04.12.2019, 12:57

Ja, einen Kaulbarsch habe ich diesen Sommer auf Wurm gefangen!
Gegen das Schweigegelübde, der Fluss ist für alle da!
Neid und Missgunst ist DIE Volkskrankheit der heutigen Zeit, ich vertrete alte Werte!
Miteinander nicht gegeneinander. :JGS:

HHSCHOCK
Beiträge: 241
Registriert: 20.12.2014, 22:40

Re: Kormoran

Beitragvon HHSCHOCK » 05.12.2019, 11:48

Hier gibts den Kormoranbeitrag aus Friedrichshafen zum Downlooad.
https://www.lfvbw.de/2-uncategorised/1478-5-fischereiforum-in-friedrichshafen-2019

Fliegender Holländer
Beiträge: 134
Registriert: 19.04.2017, 16:25
Wohnort: Heidelberg

Re: Kormoran

Beitragvon Fliegender Holländer » 09.12.2019, 11:46

Moin Michael & FishingLarry,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen! Wo hast Du, FishingLarry, Deinen Kaulbarsch gefangen?

Beste Grüße

Kurt

Herr Schneider
Beiträge: 42
Registriert: 11.01.2017, 10:28

Re: Kormoran

Beitragvon Herr Schneider » 22.12.2019, 08:44

Sodele mit etwas Verspätung melde ich mich wieder zurück. Kaulbarsch habe ich, soweit ich mich erinnern kann noch nie einen gefangen :roll:
Vielen Dank Kurt für die Aufklärung mit den Grundeln. Ich hatte die nur erwähnt, weil es, als die Grundeln vor ein paar Jahren aufgetaucht sind, auf einmal großen Aufruhr gab und sich mittlerweile, zumindest meinem Eindruck nach, die Meinung durchsetzt, dass Grundeln die Barsche und Zander wachsen lassen. Dadurch entstand mich der Eindruck, dass die Grundeln von vielen, vor allem von Kunstköderraubfischanglern nicht mehr als Problem gesehen werden.
Eine Frage hätte ich noch an dich Kurt, als Biologe/Gewässerökologe: gerade der Rückgang der Fischbestände am Bodensee wird ja häufig darauf zurückgeführt, dass weniger Stickstoffe aus der Landwirtschaft eingetragen werden. (Zumindest habe ich das so verstanden :wink: )
Sinkt dadurch der Fischbstand dann einfach auf den Stand von vor der industrialisierten Landwirtschaft und es ist quasi der Normalszustand, dass so wenige Fische im Bodensee sind, oder gab es fürher andere Faktoren, die dazu geführt haben, dass trotzdem mehr Fische im Wasser waren?

Liebe Grüße an alle und einen schönen vierten Advent!

Fliegender Holländer
Beiträge: 134
Registriert: 19.04.2017, 16:25
Wohnort: Heidelberg

Re: Kormoran

Beitragvon Fliegender Holländer » 01.01.2020, 21:40

Frohes Neues Jahr erst mal an alle Petribrüder/-Schwestern hier: Gesundheit, Glück & dicke Fische!

Nachdem die Feiertage jetzt überstanden sind, komme ich auch mal wieder dazu, in die Tasten zu greifen. Zu Deiner letzten Frage, Herr Schneider, kann ich momentan folgendes sagen. Nach meinem Wissen sind im Bodensee nicht die Stickstoffverbindungen (vor allem Nitrat) der limitierende Faktor, sonder Phosphor/Phosphat. Dessen Mangel begrenzt die Primärproduktion, sprich das Wachstum der einzelligen Algen und anderen pfanzlichen Organismen. Dadurch gibt's anscheinend weniger Felchen, und die wachsen auch nicht mehr so gut ab wie früher. Allerdings könnte es für diese Entwicklung auch andere/zusätzliche Gründe wie die intensive Netzfischerei und die daraus hervorgehende Selektion auf geringere Größe bei Geschlechtsreife geben - eine evolutionäre Schnellanpassung an den hohen Befischungsdruck. Die Details sind noch nicht abschließend geklärt. Mehr Phosphat im Wasser würde dennoch wahrscheinlich die Felchen-Fangerträge erhöhen, aber das wäre gleichzeitig eine Art "künstliche" Verschmutzung zugünsten der Berufsfischerei. Wirtschaftlich vielleicht, aber ökologisch nicht unbedingt sinnvoll... Phosphate und Nitrate kommen übrigens nicht nur über die Landwirtschaft in den Bodensee, sondern auch über Abwasser, die nicht immer und überall ausreichend gereinigt werden. Das läuft dann unter den sogenannten "diffusen Quellen"

Ist der Fischbestand im saubereren Bodensee deshalb wieder auf vorindustriellem Niveau eingependelt? Nicht unbedingt. Menschliche Eingriffe in Gewässer-Ökosysteme und deren direktem Umfeld können mitunter auch einen "unnatürlichen" Mangel an Nährstoffen bewirken, z. B. wenn durch Staudämme weniger organisch angereicherte Sedimente in einem See geschwemmt werden, oder wenn durch Uferverbauung weniger Totholz und anderes pflanzliches Material im Wasser gelangt. Womöglich sind sogar (fehlende) Kadaver von Großsäuger ein Faktor. Wie das im Detail beim Bodensee aussieht/aussehen könnte, weiß nicht aus dem stehgreif, aber ich werde mal ein wenig recherchieren und melde mich dann wieder.

Beste Grüße aus Heidelberg

Kurt

Flo
Beiträge: 8
Registriert: 26.12.2019, 13:13

Re: Kormoran

Beitragvon Flo » 01.01.2020, 22:45

Fliegender Holländer hat geschrieben:Frohes Neues Jahr erst mal an alle Petribrüder/-Schwestern hier: Gesundheit, Glück & dicke Fische!

Nachdem die Feiertage jetzt überstanden sind, komme ich auch mal wieder dazu, in die Tasten zu greifen. Zu Deiner letzten Frage, Herr Schneider, kann ich momentan folgendes sagen. Nach meinem Wissen sind im Bodensee nicht die Stickstoffverbindungen (vor allem Nitrat) der limitierende Faktor, sonder Phosphor/Phosphat. Dessen Mangel begrenzt die Primärproduktion, sprich das Wachstum der einzelligen Algen und anderen pfanzlichen Organismen. Dadurch gibt's anscheinend weniger Felchen, und die wachsen auch nicht mehr so gut ab wie früher. Allerdings könnte es für diese Entwicklung auch andere/zusätzliche Gründe wie die intensive Netzfischerei und die daraus hervorgehende Selektion auf geringere Größe bei Geschlechtsreife geben - eine evolutionäre Schnellanpassung an den hohen Befischungsdruck. Die Details sind noch nicht abschließend geklärt. Mehr Phosphat im Wasser würde dennoch wahrscheinlich die Felchen-Fangerträge erhöhen, aber das wäre gleichzeitig eine Art "künstliche" Verschmutzung zugünsten der Berufsfischerei. Wirtschaftlich vielleicht, aber ökologisch nicht unbedingt sinnvoll... Phosphate und Nitrate kommen übrigens nicht nur über die Landwirtschaft in den Bodensee, sondern auch über Abwasser, die nicht immer und überall ausreichend gereinigt werden. Das läuft dann unter den sogenannten "diffusen Quellen"

Ist der Fischbestand im saubereren Bodensee deshalb wieder auf vorindustriellem Niveau eingependelt? Nicht unbedingt. Menschliche Eingriffe in Gewässer-Ökosysteme und deren direktem Umfeld können mitunter auch einen "unnatürlichen" Mangel an Nährstoffen bewirken, z. B. wenn durch Staudämme weniger organisch angereicherte Sedimente in einem See geschwemmt werden, oder wenn durch Uferverbauung weniger Totholz und anderes pflanzliches Material im Wasser gelangt. Womöglich sind sogar (fehlende) Kadaver von Großsäuger ein Faktor. Wie das im Detail beim Bodensee aussieht/aussehen könnte, weiß nicht aus dem stehgreif, aber ich werde mal ein wenig recherchieren und melde mich dann wieder.

Beste Grüße aus Heidelberg

Kurt

Hallo Kurt und ein großes Dankeschön für deine Beiträge im Thread, habe einiges gelernt. Zudem freut es mich, dass solche Themen (die Bodensee-Felchen als Beispiel) heute intensiv untersucht werden und nicht am erst besten Verdächtigten die Ausrottung versucht wird.

Herr Schneider
Beiträge: 42
Registriert: 11.01.2017, 10:28

Re: Kormoran

Beitragvon Herr Schneider » 20.01.2020, 21:12

Lieber Kurt,

von mir, etwas verspätet, auch nochmals Danke für deinen Beitrag zum Bodensee. (warviel los in letzter Zeit)
Echt der Wahnsinn, was alles eine Rolle spielt bei so einem Gewässer, vom Säugertierkadaver bis zum Totholz und das bei dieser Größe des Gewässers...
Ich habe manchmal das Gefühl, meine Vorstellung von Gewässerökologie ist etwas unterkomplex :lol:
Freue mich schon auf weiter Beiträg von dir.

Liebe Grüße
Michael


Zurück zu „Sonstiges“