Karpfen am Neckar - Montagen etc

Schreibt Eure Montagen und was Ihr damit fangt.

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Andrey
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Karpfen am Neckar - Montagen etc

Beitragvon Andrey » 03.10.2022, 23:23

Ich bin bisher meistens mit der Spinnrute am Neckar gewesen, nun sehe ich mal wieder, dass die Leute Karpfenansitz machen (und auch mit Erfolg), und das reizt mich jetzt auch.

Ich kann meistens nur wenige Stunden am Wasser bleiben, daher habe ich bisher nie "ernst" auf Karpfen probiert. Die Paarmal wo ich Posen/Grundangeln dabei hatte, hatte ich nie irgendwas außer Grundeln gesehen / gefangen. Wirft man "klassisch" Mais mit Pose nah am Grund, hängt in wenigen Sekunden eine Grundel dran, auch dann wenn's nicht so nah am Grund ist. An der Grundmontage kann man Mais genauso vergessen, die Biester fressen es von der Grundmontage (so einige Maiskörner am Haar) in wenigen Minuten weg. Würmer sind noch schneller weg. Also bleiben Boilies. Da hat's bisher (habe 2-3 Stunden probiert) überhaupt nix gebissen. Ganz normale Boilies vom Decathlon, 12-14 mm.

Jetzt bin ich ratlos. Ist es weil ich so kurz am Wasser bin? Muss man da auf längere Ansitze einstellen?

Wie angelt ihr die Karpfen am Neckar, ohne dass die Grundeln euch ständig stören? Irgendein Trick mit der Montage? Weiter vom Ufer angeln? Da sind aber die Grundeln noch größer (kenne ich vom Jiggen, hab schon einige 15 cm Grundeln am Gummifisch gefangen). Habe sowohl in 2-3 Meter vom Ufer probiert, wie auch 10-15m, mit gleichem Ergebnis. Muss man irgendwie die Grundmontage "schwimmen" lassen (so was wie Upose), damit es nicht auf Grund ist? Schneemann? Was nimmt man als Köder - wegen der Grundeln könnten nur Boilies sein, oder?

Oder macht's bei 2-3 Stunden am Wasser am Neckar eh keinen Sinn?

Bin für konstruktive Vorschläge dankbar.
Ich angle am 9er.
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Esslingen
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Re: Karpfen am Neckar - Montagen etc

Beitragvon Esslingen » 04.10.2022, 11:11

Hallo Andrey,

der Kurzansitz am frühen Morgen oder in den Abendstunden kann völlig ausreichend für den Karpfenansitz am Neckar sein.

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist, Du musst dort Angeln wo die Karpfen auch sind. Das hört sich banal an, ist aber auch der schwierigste Punkt.
Im klaren Wasser ziehen die Karpfen recht schnell weg zu Stellen, wo sie unter Bäumen Deckung haben oder wo es im tiefen Wasser Unterstände gibt.
Im trüben Wasser kommen sie auch an Ufernähe. Wenn das Wasser sehr warm (19 Grad plus) gehen sie gerne in die Strömung. Wenn das Wasser kälter als 12 Grad ist, suchen sie ehr strömungsarme Stellen auf. Dann gibt es noch zig Varianten die dann auch noch speziell an deiner 9er Strecke gelten.
Vor allem bedeutet es, wo noch vor ein paar Tagen erfolgreich auf Karpfen geangelt werden konnte, geht jetzt nach Regenfällen und starker Strömung gar nichts mehr.
Mein Tipp: Fahre mit dem Fahrrad oder laufe mit der Spinrute entlang Deiner Strecke und versuche herauszufinden, warum Karpfenangler gerade dort an dem bestimmten Platz angeln - da kann ich direkt parken oder da angel ich immer, sind da nicht so die Sieger-Argumente. Ich habe gestern nach den Regenfällen im Altarm völlig ohne starke Strömung aber bei trüben Wasser wunderbar Karpfen fischen können.

Die Grundeln, die Dich so kümmern, sind nicht das Problem. Sind Karpfen da, oder andere größere Fische hören die Grundeln sofort auf an den Ködern zu nagen und begeben sich in Deckung. Sie können also sogar als Indikator dienen, dass dein Köder gleich einen "größeren"Abnehmer findet. Grundeln lieben Stellen mit vielen Vertsecken. Das sind z.B. die Steinpackungen aber draussen in der Fahrrinne bietet der Boden nicht so viele Verstecke und damit ist dort die Grundelkonzentration auch geringer. bei klarem Wasser sind die Karpfen eh weiter draußen und somit passt das.

Wie angel ich:
Das Nahrungsangebot für Karpfen ist gut und reichlich und somit musst Du die Neugier der Karpfen wecken. ich angel daher mit Methodfeeder (googeln und Videos anschauen) und mit Futterkorb am Antitangelboom aber mittels Schnurstoppern auf der Hauptschnur als Festmontage (für den Selbsthakeffekt) und nicht als Durchlaufmontage. Das Feederfutter, dass Du verwendest muss stark riechen und somit den Platz für Karpfen interessant machen. Alle 20-30 Minuten (Uhr stellen) wird die Montage eingeholt und wieder mit Futter befüllt an den vorher ausgewählten Platz geworfen.
Das Vorfach bei kälteren Wasser 15-20cm und bei warmen Wasser kann es auch 25cm lang sein. Bei methodfeeder sollte das Vorfach so lang sein,das es genau in die Futtermulde passt. Ich persönlich freue mich über jeden Karpfen egal ob groß oder klein (natürlich mehr wenn es dann ein Großer ist) und benutze den Köder (Boilie) nicht als Selektionskriterium. Im Sommer und warmen Herbst benutzte ich Boilies bis max. 16mm und jetzt wo das Wasser langsam immer kälter wird benutzte ich immer kleinere Boilies bis runter auf 8mm. Die kombiniere ich mit kleinen Auftriebskörpern (Popups) um den Köder fast schwerelos werden zu lassen. Bei MethodFeeder wird ja nur ein farbiger Popup verwendet. Als Farben sind gut geeignet weiß, gelb und pink.
Natürlich habe ich bei meiner Art der Angelei auch mal eine Grundel und auch Brassen am Haken aber irgendwann werden die Grundeln an dem Platz langsam satt oder naschen nur noch am Feederfutter und meine Montage kann die 25-30 Minuten "scharf" am Platz liegen, bis ich sie dann eh wieder einhole.

Bei all den von mir gerade aufgeführten Punkten gibt es natürlich noch zig Variationsmöglichkeiten, die bei dem einen oder anderen Fall bzw. Situation noch besser einsetzbar sind, aber das ist mal so der Anfang ohne gleich ein Buch "Angeln am Neckar" zu schreiben. Mit den Methoden angel ich ca. an 50 Tagen im Jahr und an über 40 Tagen im Jahr habe ich zumindest einen Erfolg mit einem Brassen oder einem Karpfen.

Versuche es so einmal und berichte dann davon, wenn sich langsam die ersten Erfolge eingestellt haben
Grüße Joachim

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Re: Karpfen am Neckar - Montagen etc

Beitragvon Andrey » 04.10.2022, 21:53

Joachim, vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Bleibt denn der Futterkorb nicht an Steinpackungen ständig hängen, beim einholen? Ich habe so viele Gummifische im Neckar beim jiggen verloren, da kann man fast ein Geschäft damit aufmachen. Bei dem noch schwereren Futterkorb wird es wahrscheinlich nicht besser sein? Ich hatte daher bisher mit einfachem Laufblei probiert.

Wegen Grundeln: OK, also kein Mais, dafür Boilies, das war zumindest wie vermutet. Finde ich schade, ich mag süßen Mais, kann man wenigstens bei Langeweile selbst füttern, Boilies schmecken mir nicht so :)
Den Tipp mit alle 20-30 Minuten neu "befuttern" muss ich mir merken, war eher vom "einwerfen und Stunde warten" ausgegangen.

Mit "stark riechendem" Futter meinst du irgendwelche Lockstoffe aus dem Handel? Wäre mir persönlich zu viel des guten, ich mag es lieber "einfach" bzw gehe weiter Spinnfishen :)

Und ja, die Fische muss man schon suchen, das ist auch mit Spinnfishen nicht anders. Nur dort kann ich an einem Tag einige km hoch und runter laufen, beim Ansitz hat man nur einen Versuch am Tag... Na ja, was solls. Immerhin mache ich nicht grundsätzlich was falsch, die Richtung ist im Prinzip klar. Ist halt schwierig zu verstehen (für Anfänger) ob es der falsche Platz oder Montage oder Futter etc ist, und entsprechend leidet die Motivation...
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Re: Karpfen am Neckar - Montagen etc

Beitragvon Esslingen » 04.10.2022, 22:49

Ja, natürlich bleibt ein schwerer Futterkorb an den Steinpackungen hängen, wenn man ihn langsam über den Boden ziehend einholt.
Nimm wenn Du in der Nähe von Steinpackungen angelst einen Kunststoffkorb, der sehr schnell eingeholt wird. Also Rute steil nach oben und dann schnell kurbeln. Der leere Korb aus Kunststoff steigt schneller nach oben und bleibt so weniger leicht an der Steinpackung hängen.
Generell versuche ich es jedoch zu vermeiden, zu dicht oder direkt an den Steinpackungen zu angeln.

Eine Dose Mais ist nicht so teuer. Du musst also nicht darauf verzichten sondern kannst sie ja beim Angeln weiterhin naschen. Die Flüssigkeit aus der Dose kannst Du sehr gut für das Anmischen des Futters verwenden. Stark riechendes Futter kannst Du sehr preiswert ohne teuer Futtermittel aus dem Handel selbst herstellen. Vanillezucker, Knoblauchgranulat, Chilipulver, und aus der Küche Saucen mit abgelaufenen Verfallsdatum wie Sojasauce und Fischsauce. Und wenn Du keine fertigen Feederfuttermischungen kaufen möchtest, dann kann man sehr guten Teig aus Polenta (Maisgries) Paniermehl, Vanillepuddingpulver und ein rohes Ei für die Bindung (incl. der obigen "Gewürze") selbst herstellen.... feuchtes Katzenfutter (Fisch) als weitere "Aromabeigabe" gibt es aus der Dose für 50ct und das stinkt so, dass ich wirklich jedesmal bezweifle, wenn mir Katzenliebhaber erzählen wollen, das Katzen Feinschmecker sind.

Wenn Du Dein Tackle sehr stark optimierst, kannst Du auf Karpfen fast so mobil wie beim Spinfischen gehen. Der Karpfenangler nennt das "Stalking".
Ist jedoch nicht so mein Ding, da ich es gerne etwas ruhiger mag ...aber es geht und ich habe Angelkameraden, die innerhalb von Minuten den Platz wechseln, wenn sie das Gefühl haben, woanders wäre es besser.
Natürlich leidet die Motivation, wenn man sich über die Methode unsicher ist oder zweifelt. Daher verlassen die wenigsten Angler die vertrauten Pfade von alleine. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg und es lohnt sich ganz bestimmt es einmal auszuprobieren!
Grüße Joachim

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Re: Karpfen am Neckar - Montagen etc

Beitragvon Andrey » 06.10.2022, 22:16

Danke noch mal Joachim. Ist schon schwer "die vertrauten Pfade" zu verlassen, aber da man in Stuttgarter Raum nicht viele Alternativen zum Neckar finden kann, muss ich halt durch :) Irgendwann beißt ein verirrter Karpfen auch bei mir, vielleicht auf einen Gummifisch :mrgreen:
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